Die Erlangung des Zertifikats nach der Norm EN 9100 ist für ein Unternehmen die „Eintrittskarte“ in die Welt der Luftfahrt- und Verteidigungsindustrie. Audits in diesem Sektor sind für ihre Strenge berüchtigt. Auditoren achten nicht nur darauf, ob Prozesse auf dem Papier beschrieben sind, sondern vor allem darauf, wie effektiv Sie betriebliche Risiken managen und die Produktsicherheit gewährleisten.
Basierend auf Praxiserfahrungen haben wir eine Liste der zehn Bereiche zusammengestellt, in denen Unternehmen am häufigsten „stolpern“.
1. Betriebliches Risikomanagement (Risk Management)
In der Luftfahrt ist Risiko ein Schlüsselbegriff. Eine häufige Abweichung besteht darin, dass ein Unternehmen zwar ein Risikoregister führt, dieses jedoch statisch ist. Auditoren suchen nach Beweisen für das operative Risikomanagement – also wie Risiken während der Realisierung konkreter Aufträge bewertet und gemindert werden.
2. Ethik und Bewusstsein der Mitarbeiter
Die Norm verlangt, dass sich die Mitarbeiter ihres Beitrags zur Produktkonformität, zur Produktsicherheit und der Bedeutung ethischen Verhaltens bewusst sind. Wenn der Auditor einen Mitarbeiter an der Linie fragt, welchen Einfluss seine Arbeit auf die Sicherheit des Produkts und des Flugzeugs hat, und dieser es nicht weiß, ist das eine klare Feststellung.
3. Steuerung von externen Bereitstellern (Lieferanten)
Es reicht nicht aus, eine Liste zugelassener Lieferanten zu haben. Sie müssen deren Leistung überwachen und definierte Schritte für den Fall haben, dass ihre Leistung sinkt. Ein häufiger Fehler ist die unzureichende Weitergabe von Anforderungen (sog. Flow-down) in den Bestellungen.
4. Planung der Produktrealisierung
Auditoren stellen oft fest, dass eine systemische Verknüpfung zwischen spezifischen Kundenanforderungen und der anschließenden Fertigungsdokumentation fehlt. Grundlage für eine erfolgreiche Realisierung in der Luftfahrt sind Projektmanagement und konsequente Prozessplanung, die die Identifizierung und Steuerung von sog. kritischen Elementen (Critical Items) integrieren muss. Werden diese Elemente nicht korrekt in die Werkstattabläufe übertragen, entstehen systemische Qualitätsfehler.
5. Prävention von gefälschten Teilen (Counterfeit Parts)
Dies ist eine Besonderheit der Aerospace-Norm EN 9100. Sie müssen einen Prozess zur Identifizierung und Eliminierung des Risikos des Kaufs von nicht originalen Teilen eingeführt haben. Ohne klare Kontrollmechanismen beim Kauf aus nicht autorisierten Quellen wird der Auditor das System nicht anerkennen.
6. Konfigurationsmanagement
Abweichungen entstehen, wenn ein Unternehmen nicht nachweisen kann, in welchem genauen technischen Zustand (Zeichnungs- oder Softwareversion) sich das Produkt zu jedem Zeitpunkt der Produktion und des Versands befand, d. h. ob die funktionellen und physischen Merkmale des Produkts mit der technischen Dokumentation übereinstimmen.
7. Erstmusterprüfung (FAI – First Article Inspection)
Der Prozess nach der Norm EN/AS 9102 ist in dieser Branche entscheidend. Abweichungen treten bei unvollständigen Berichten auf oder wenn die FAI nach einer wesentlichen Änderung im Prozess oder in der Technologie nicht erneut durchgeführt wird.
8. Dokumentierte Informationen und Aufzeichnungen
In der Luftfahrt gilt: „Was nicht aufgeschrieben ist, ist nicht passiert.“ Probleme bereiten oft unleserliche Aufzeichnungen, fehlende Stempel oder unzureichende Absicherung bei elektronischen Korrekturen.
9. Steuerung nichtkonformer Ergebnisse
Wenn etwas schiefgeht, müssen Sie es isolieren. Häufige Abweichungen sind die mangelnde physische Trennung von Ausschuss oder eine fehlende tiefgehende Ursachenanalyse (Root Cause Analysis). Für die korrekte Bestimmung der Ursache wird empfohlen, nach der Methodik der Norm EN/AS 9136 (9S-Methodik) vorzugehen.
10. Prozessüberwachung (KPIs)
Die Norm verlangt die Messung der Leistungsfähigkeit. Wenn Sie Ziele nicht erreichen und dies nicht durch Korrekturmaßnahmen lösen, gilt Ihr Qualitätsmanagementsystem als nicht funktionsfähig.
Verwendete Quellen und Studienmaterialien:
Dieser Überblick basiert auf offiziellen Methodiken und Statistiken globaler Luftfahrtbehörden:
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Die harmonisierten Normen STN EN 1090 werden von europäischen Organisationen für die Normung festgelegt, in denen Methoden und Kriterien für die Bewertung von Parametern und wesentlichen Eigenschaften von Bauprodukten festgelegt werden.